Der Barockgarten und die Gärten von König Wilhelm III. und Königin Mary II.

Das Barock war die Zeit der großen Gartenkunst, für die heute vor allem Le-Notres Versailles steht. Frankreich war der Vorreiter in der Gartenkunst des Barock. Die Herrschenden betrachteten ihre Gärten als Prestige-Objekte und zugleich als Zeitvertreib. Jeder Garten galt als Echo auf das Paradies. Zugleich drückte der Herrscher mit Hilfe der gebändigten Natur Macht und Wohlstand aus. Der englische Philosoph Francis Bacon schrieb: „Der allmächtige Gott pflanzte als Erstes einen Garten. Und tatsächlich ist dieser die Lauteste unter allen menschlichen Freuden. Er ist der größte Trost für das Wesen des Menschen, ohne den die Paläste und Bauwerke nichts sind denn rohe Handarbeiten.“ Zu den Elementen der Barockgärten gehören Parterres (terrassenartige Flächen in der Nähe des Schlosses), Boskette (Kunsthecken), Laubengänge, Formschnitt und der Wald mit seinen oft sternförmigen Schneisen. Die niederländischen Barockgärten waren kleiner, aber üppiger mit Broderien geschmückt und von Kanälen durchzogen.

Wilhelm III. und Mary II. hatten einen schwierigen Start in ihre Ehe und durchlebten immer wieder angespannte Phasen. Sie teilten jedoch die Freude an schön gestalteten Schlössern und Gärten. Vor allem Het Loo und Hampton Court sind Denkmäler dieser Leidenschaft. Auch als sie nach England zogen, um als Königspaar den Thron zu besteigen, blieb Het Loo ihr idealer Wohnsitz. Eine kleine Anekdote am Rande: auch, wenn Het Loo allein in der Größe nicht mit Versailles mithalten konnte, so wollte Wilhelm III. seinen Rivalen Ludwig XIV. doch übertreffen – deshalb sprudelte seine Gartenfontäne höher.

Portraits von Wilheim III. und Mary II. flankieren den Eingang von Het Loo, 022 © Andre Poling www.poling.de
Die heutige Fontäne vor der Orangerie, 2022 © Andre Poling www.poling.de

Hampton Court war das bevorzugte Schloss von Wilhelm III. und Mary II., da der asthmageplagte Monarch hier der rauchigen Londoner Luft entgehen konnte. Bereits 1688 wurden mit Hilfe des Architekten Sir Christopher Wren Pläne entworfen, das in die Jahre gekommene Tudorschloss umzugestalten. Besonders wichtig war ihnen dabei die Verbindung ihrer Gemächer mit den Terrassen und Gärten. Als Gartendesigner beschäftigten sie den Hugenotten Daniel Marot. Auch die zweite Leidenschaft von Wilhelm III. neben der Gartenkunst spielte in der Gestaltung eine Rolle: die Jagd. Auch Mary II. liebte Blumen – sie ließ sich ständig mit frischen Sträußen versorgen – und exotische Gewächse. Als die Monarchin jedoch 1694 starb, gab der König das Vorhaben auf – und so lässt sich an Hampton Court auf eine einzigartige Weise der Geschmack seiner verschiedenen königlichen Bewohner ablesen: Tudor-Stil trifft Klassizismus.

Der niederländische und der englische Gartenstil waren unterschiedlich, so galten die Gärten der Niederländer als extrem gepflegt und ordentlich. Auch die Einbindung von Wasser in Form von Kanälen war typisch holländisch (aus der Not eine Tugend: Entwässerung). Die Wasserspiele waren hingegen durch den französischen Hof inspiriert.

Wer weiterlesen möchte, dem empfehle ich u.a. „From Het Loo to Hampton Court: William and Mary’s dutch Gardens and their Influence on english gardening”.

Auch in Deutschland kann man Barockgärten besichtigen. Beispiele sind der Schlosspark Schwetzingen, die Hesperidengärten in Nürnberg, Park Sanssouci, der Garten von Herrenhausen, der Park in Kleve sowie der Barockgarten von Schloss Gottorf (siehe auch den Blogeintrag über die Oranierroute).

Hier en paar typische Garteneindrücke aus den Gärten von Hampton Court Palace (u.a. Parterre, Laubengang, Formschnitt)

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