„Blüte der Zeit“: Wilhelm und Marys Lieblingsgärten – Het Loo

Wilhelm III. war als begeisterter Jäger in den 1680er Jahren auf der Suche nach einem größeren Jagdsitz als Dieren. In Het Oude Loo fand er ein altes Schloss mit weitläufigem Jagdgebiet, Wasserläufen und einer günstig gelegenen Quelle, das er 1684 erwarb. Het Oude Loo wurde umgestaltet. Einen wesentlichen Einfluss hatten dabei der Hugenotte Daniel Marot sowie der Pflanzenexperte Daniel Desmarets. Den Grundstein für das neue Schloss legte Mary II. im Mai 1685. Der Garten wurde 1692 erweitert, auch mit der „King’s Fountain“, der damals höchsten Wasserfontäne Europas, die von einer neun Kilometer lange Pipeline versorgt wurde.

Das Paar legte besonderen Wert auf den „versunkenen Garten“, der windgeschützt war und mit frischem Wasser für die Wasserspiele versorgt werden konnte. Der Hauptgarten bestand aus acht quadratischen Parterres: die inneren vier waren parterres de broderie, die äußeren parterres à l’angloise. Broderieparterres sind typisch für Barockgärten. Da diese am besten von oben betrachtet werden konnten, schuf man erhöhte Wege zu beiden Seiten. Der Name bezieht sich auf die filigrane, stickereiähnliche Beet- und Heckengestaltung. Bei parterres à l’angloise handelt es sich um eine tief gelegte oder ornamental gestaltete Rasenfläche, die auch von einer Rabatte eingefasst sein können. Das Monogramm von Wilhelm und Mary wurde von einem Wasser-Parterre umrahmt. Die Hauptachse des Gartens war durch die Statue eines schlangenwürgenden Herkules geprägt – ein Symbol für Wilhelm III. als Retter des Vaterlandes. Von ihren Gemächern aus überblickte sie an der Ostseite des Gartens den „Prinzessin-Garten“ mit reichhaltigen Blumen-Parterres und exotischen Pflanzen, die in Kübeln wuchsen und in der Orangerie überwinterten. Auf der Westseite des Schlosses überblickte der Prinz seinen Teil des Gartens, zu dem auch ein neumodisches und aus England importiertes „Bowling Green“ gehörte, das von einem englischen Gärtner gepflegt wurde.

Het Loo. Von Henry Inigo Triggs (* 28. Februar 1876 in Chiswick; † 8. April 1923) – scaned, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19426535

Neben dem Lustgarten gehörte zum Paleis Het Loo auch ein über hundert Hektar großer Park mit Jagdwäldern, Fischteichen, einem Küchengarten, einer Falknerei und vielem mehr.

Als Wilhelm III. und Mary II. den englischen Thron bestiegen, wurde Het Loo erheblich vergrößert und von einer bescheidenen Sommerresidenz zu einem fürstlichen Anwesen. Leider sollte Königin Mary II. dieses Schloss, das sie so sehr liebte, nie wieder sehen, denn sie starb mit zweiunddreißig Jahren in England.

Nach dem Einmarsch der Franzosen wurde Het Loo ab 1806 von Louis Napoleon umgestaltet und aus dem Barockgarten wurde ein Landschaftspark im romantischen Stil.

Später wurde Het Loo wieder zum beliebtesten Sommerschloss des niederländischen Königshauses. 1984 wurde es zum Museum. Auch der Barockgarten wurde in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Auf der sehr informativen Homepage heißt es: „Der Garten vom Paleis Het Loo ist einzigartig: Er ist die einzige Rekonstruktion eines Barockgartens in den Niederlanden. Das Meisterwerk ist der Königssprung, ein Springbrunnen, der mehr als dreizehn Meter hoch sprudelt. Zu dieser Zeit war dies der höchste Brunnen in Europa.“

Das Paleis Het Loo ist unbedingt einen Besuch wert. Im Schloss gibt es interessante Führungen (auch per App) und der Garten ist zauberhaft. Als typische Elemente der holländischen Gartenkunst finden sich zahlreiche Kanäle und Wasserspiele sowie Spalierobst. Dazu kommen seltene alte Rosensorten und Staudenarten.

Mehr über das Paleis Het Loo und den Garten finden Sie u.a. in „The Gardens of William and Mary“ von David Jacques und Arend Jan van der Horst sowie in dem Katalog „The anglo-dutch Garden in the Age of William and Mary“.

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