Das Katastrophenjahr 1672: Gedenken in den Niederlanden daran (mit Reisetipps) und als mein Roman-Thema

Allegorie auf das Rampjahr By Johannes van Wijckersloot – www.rijksmuseum.nl : Home : Info, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31920679

2022 jährt sich das Rampjaar, das Katastrophenjahr 1672, in dem die Republik der Sieben Vereinigten Niederlande von einer Koalition der Königreiche England und Frankreich sowie Köln und Münster überfallen wurde. In den Niederlanden wird diesem Gedenkjahr mit verschiedensten Ausstellungen, Veranstaltungen und auch einer Fahrradroute gedacht. Ich habe mich bereits für „Gold und Ehre“ intensiv mit dem Rampjaar beschäftigt, denn der Roman greift die Ereignisse zum Ende hin auf. In meinem kommenden historischen Roman „Blüte der Zeit“ (erscheint am 23. Dezember 2022 im Lübbe-Verlag) bildet die Katastrophe 1672 den Ausgangspunkt. „Das Jahr 1672 ist nicht von ungefähr als Katastrophenjahr in die niederländische Geschichte eingegangen“, urteilt Friso Wielenga in „Geschichte der Niederlande“ (Reclam, 2018). „Der rasche militärische Zusammenbruch, die Lähmung des Handels und die innenpolitische Instabilität führten dazu, dass das Fortbestehen der Republik einige Monate lang auf dem Spiel stand.“

Was war denn nun eigentlich 1672 geschehen? Erinnern wir uns: nach dem Freiheitskampf gegen die spanischen Habsburger und dem Frieden von Münster, die u.a. zu dem kometengleichen Aufstieg der holländischen Handelsstädte unter der Führung Amsterdams führten (siehe „Krone der Welt“), dominierte die Bürger-Republik der Niederlande nicht nur den Welthandel. Mit ihrem Reichtum und dem damit verbundenen Selbstbewusstsein waren die Niederländer in ihrem „Goldenen Zeitalter“ u.a. den Königen von England und Frankreich ein Dorn im Auge, davon zeugen z.B. die englisch-niederländischen Seekriege (siehe „Gold und Ehre“). Dazu kam die protestantisch-calvinistische Ausrichtung der Republik, die zudem den Widerstand der Katholiken hervorrief. Bereits ab 1670 bereitete der französische König Ludwig XIV. einen Krieg gegen die Niederländer vor. Ihm in die Karten spielten die innenpolitischen Schwierigkeiten. Die statthalterlose Zeit und die Macht des Ratspensionärs Johan de Witt (zu ihm gibt es einen weiteren Blogartikel) waren wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten zunehmend umstritten. Im März 1672 begann der englische König Charles II. den Seekrieg, im April fiel Ludwig XIV. mit einem 130.000 Mann starken Heer über die Republik her. Sie wurden unterstützt durch die katholischen Bistümer Köln und Münster. Da die Republik die Flotte zugunsten der Armee gefördert hatte – auch, damit sie die Handelsflotte schützen konnte -, wurden die Niederlande förmlich überrannt. In einem Akt der Verzweiflung wurde nicht nur der entmachtete Prinz Wilhelm III. von Oranien wieder in seine Posten eingesetzt, sondern auch die Wasserlinie aktiviert. Weite Teile des Landes wurden unter Wasser gesetzt, um einen Vormarsch des Feindes auf die reichen und politisch wichtigen holländischen Provinzen zu verhindern. Nun wurden die feindlichen Truppen zwar aufgehalten, aber eine Hungersnot drohte, was die innenpolitischen Probleme vervielfachte und u.a. letztlich zu dem Lynchmord an den Brüdern de Witt führte.

Wie wird an das Rampjaar erinnert? In den Niederlanden wird an verschiedensten Orten an das Katastrophenjahr erinnert. Hier eine kleine Auswahl Reisetipps. Besonders aufwändig ist die Timeswitch-App und Homepage von Bodegraven/Reeuwijk, die u.a. direkt an die Wasserlinie und in das Heerlager von Prinz Wilhelm III. führt (diese Orte kommen auch in „Blüte der Zeit“ vor). In Gouda gibt es außerdem eine neue Fahrradrundstrecke unter dem Motto „Verborgene Schatten“, an der man u.a. durch die bedeutsamen Orte Bodegraven und Nieuwerbrug radelt. Ein Dokument steht auf der Homepage „Willkommen in Gouda“ zum Download bereit. Das Rijksmuseum hat eine eigens eine Route zu entsprechenden Kunstwerken entworfen. Im Schifffahrtsmuseum Amsterdam, dem Haags Historisch Museum, dem Museum Valkenburg und weiteren gibt es ebenfalls Ausstellungen zu 1672. Das Wasserlinienmuseum in Fort Vechten erzählt die dreihundertjährige Geschichte der Wasserlinie. Von Forschern wurde das Rampjaar Anfang Juli 2022 im Rahmen eines Online-Kolloquiums untersucht. Der Historiker Luc Panhuysen wird im Oktober 2022 im Historischen Zentrum Leeuwarden über das Rampjaar referieren. Und wer in Romanen in die Zeit eintauchen möchte, dem empfehle ich „Krone der Welt“ (Vorgeschichte zu 1672), „Gold und Ehre“ und ab Dezember 2022 „Blüte der Zeit“ 😉

Belagerung von Groningen Von Folkert Bock – [1], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5317112
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