Die Sankt Michaeliskirche – unser Michel

Der Hamburger Michel ist eines der vielgeliebten Wahrzeichen der Stadt. Damals wie heute ist seine markante Silhouette der wichtigste Willkommensgruß für Hamburger und Gäste. Die Wurzeln der Kirche liegen jedoch an anderer Stelle. 1583 ließ die Hauptkirche Sankt Nikolai vor den Mauern der Stadt – dort, wo sich heute der „Kleine Michel“ befindet – einen Begräbnisplatz anlegen und 1600 eine Kapelle bauen. Da immer mehr Menschen in diese „neue Stadt“ vor den Stadtmauern zogen, musste die Kapelle bald erweitert werden und bekam auch einen Turm. Geweiht wurde diese Kapelle am Michaelistag 1606, woher sie möglicherweise auch ihren Namen hat. Doch spätestes mit dem Bau der neuen Wallanlagen – der Festungswall des Niederländers Johann van Valkenburg wurde gerade rechtzeitig vor dem Dreißigjähigen Krieg fertig – platzte die Kapelle aus allen Nähten. Zwischen 1625 und 1646 wuchs die Bewohnerzahl der Neustadt von achttausend auf zwanzigtausend. Also rief der bekannte und beliebte Michel-Pastor Edzardi 1647 zum Bau einer neuen Kirche auf. Diese solle „Sankt Salvator“ – der Erlöser – genannt werden. Rat und Bürgerschaft stimmten zu, und so sollte in etwa zweihundert Meter Entfernung die neue Kirche gebaut werden. Ab 1649 wurde der Bau unter der Leitung der Baumeister Christoph Corbinus und später Peter Marquard errichtet. Doch zum Namenswechsel kam es nicht: die Bewohner des Stadtteils, die beim Bau eifrig mitgeholfen hatten, liebten ihren Michel. Die Einweihung der Kirche war 1661. Die Fertigstellung des Turms erfolgte 1669. Im Jahre 1685 wurde der Michel zur fünften Hauptkirche Hamburgs.

Doch dann kam das Jahr 1750 und damit der verhängnisvolle Blitzschlag am 10. März. Die Sankt Michaeliskirche stand in Flammen, der Turm stürzte ein. Das Unglück traf das Viertel besonders heftig, da bereits zweieinhalb Jahre zuvor der Kleine Michel wegen Baufälligkeit abgebrochen worden war. Beide Kirchen sollten wiederhergestellt werden. Für den Bau der zweiten großen Sankt Michaelis-Kirche zeichneten die berühmten Baumeister Johann Leonhard Prey und Ernst Georg Sonnin verantwortlich. Doch das Gebäude, das wir heute bewundern können, ist nicht mehr das „Original“. Ein verheerender Brand im Jahr 1906 und der Zweite Weltkrieg setzten der Kirche zu. Mit vereinten Kräften von Rat und Bürgerschaft konnte der Michel jedes Mal wiederaufgebaut werden – so blieb er das Wahrzeichen der Stadt.

Der „Kleine Michel“ wurde übrigens während der Franzosenzeit zur katholischen Kirche Sankt Ansgar … doch das ist eine andere Geschichte 😉

Fotos: André Poling

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