Reinald von Dassel – Erzbischof, Erzkanzler und gewiefter Stratege

Eine der ungewöhnlichsten Persönlichkeiten, die auf dem Dreikönigenschrein abgebildet sind, ist Reinald von Dassel; später latinisiert „Rainald“. In meinem Roman „Der Schrein der Könige“ taucht er in dem Prolog auf. Der Erzbischof von Köln verbrachte nur knapp ein Jahr in Köln, stellte in dieser kurzen Zeit jedoch wichtige Weichen für die Stadt. Entscheidend war die Verbringung der Reliquien der Heiligen Drei Könige nach Köln, die er nach der Belagerung von Mailand als Kriegsbeute von Kaiser Friedrich Barbarossa geschenkt bekam bekam (manche sagen: raubte). Allein der Transport im Jahr 1164 war abenteuerlich, denn Reinald von Dassel legte falsche Fährten und ließ angeblich sogar die Pferde rückwärts führen, damit seine Konkurrenten in die Irre geführt wurden. Wie die Heiligen Drei Könige nach Köln kamen, darüber gibt es einige sehr schöne Sagen. Für einen Überblick lege ich euch die Folge 59 des Podcasts „Eine Geschichte der Stadt Köln“ von Willem Fromm ans Herz. Zu Reinald von Dassels Biografie empfehle ich ansonsten den Eintrag im Portal Rheinische Geschichte. Warum aber waren Reinald von Dassel diese Reliquien so wichtig? Kurz gesagt: er wollte, dass die weltlichen Königen in Zukunft den Segen von den biblischen Königen empfangen mussten – und dafür sollten sie nach Köln kommen. Denn schon damals herrschte eine große Konkurrenz unter den Städten und Erzbistümern und vor allem die Krönungsstadt Aachen und Mainz machten Köln zu schaffen. Neben der Heiligkeit der Reliquien war es also für ihn eine machtpolitische Maßnahme, die ihn als Erzbischof von Köln und seine Stadt fördern sollte. Reinald von Dassel sollte diesen Plan nicht mehr verwirklicht sehen, denn er starb 1166 bei der Belagerung von Rom. Seine Gebeine wurden nach Köln in den Alten Dom gebracht. Die Reliquien der Heiligen Drei Könige zogen bald so viele Pilger aus ganz Europa an, dass ein neuer Schrein in Auftrag gegeben wurde (der Dreikönigenschrein von Nicolaus von Verdun) und schließlich der Hildebolddom zu klein wurde – also wurde ein neuer Dom gebaut, der Kölner Dom wie wir ihn heute kennen. Heute erinnert auch das Porträt von Reinald von Dassel auf dem Dreikönigenschrein an ihn. Die Figur selbst gibt allerdings Rätsel auf, so ist der Schädel an den Seiten nachlässig ausgeführt und die Arme sind teilweise verschwunden.

Herzlichen Dank an den Kölner Dom/Dombauhütte, dass ich das Foto nutzen darf.

Köln, Dom, Dreikönigenschrein, Rückseite, Rainald von Dassel
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