Neben den Heiligen Drei Königen, die dem Jesuskind und der Heiligen Maria huldigen, ist auf der Schauseite des Dreikönigenschreins ein weiterer Mann zu sehen. Ohne Krone bringt er Jesus ebenfalls seine Gaben dar. Aber wer ist er? Und warum ist er auf dieser prominenten Seite des Schreins abgebildet? Es handelt sich um Otto IV. von Braunschweig, deutscher König und Kaiser, Akteur des Thronstreits und Verbündeter Kölns. Wie seine Figur genau auf den Schrein kam, darüber berichten – wie so oft beim Dreikönigenschrein – keine Quellen. Klar scheint allerdings zu sein, dass Otto IV. eine große Menge Gold und Edelsteine für den Schrein spendete und sich dafür zusagen ließ, ebenfalls auf dem Reliquiar verewigt zu werden. Dies ist auch die Version, die ich – ausführlicher – in „Der Schrein der Könige“ erzähle. Übrigens spielte Otto IV. bereits in meinem Roman „Die Perlenfischerin“ eine größere Rolle, wo ich auch auf den Thronstreit und die Schlacht bei Bouvines eingehe. Bei dem Welfen handelt es sich um eine umstrittene Persönlichkeit und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass schon seine Zeitgenossen ganz und gar nicht begeistert davon waren, einen weltlichen Herrscher neben den biblischen Heiligen und Propheten zu sehen.
Herzlichen Dank an den Kölner Dom/Dombauhütte, dass ich das Foto nutzen darf.

