Wer war Jakoba und was wissen wir über sie?

Jakoba la Félice de Alemania ist eine der berühmtesten Frauen der frühen Medizingeschichte und zugleich ein Mysterium. Der Prozess gegen Domina Jakoba aus dem Jahre 1322 ist in den Pariser Chroniken ausgezeichnet dokumentiert: von der Anklage über die Zeugenaussagen, ihre beherzte und kundige Verteidigung bis zum harten Urteil. Sie trat nur diese kurze Zeit ins Licht der Öffentlichkeit. Alles, was wir über Jakoba wissen, steht in den Prozessakten. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Schweigen. Jakoba wurde als Adelige angeredet und kam aus dem deutschsprachigen Raum, das steht fest. Aber wo wurde sie geboren? Wo erwarb sie ihre beeindruckenden medizinischen Kenntnisse? Wie kam sie nach Paris? Wohin ging sie nach der Urteilsverkündung?

Mich hat an den Akten besonders berührt, dass sich im Laufe des Prozesses etliche dankbare Patienten für Jakoba aussprachen – und sich kein einziger Zeuge gegen sie fand. Besonders lobend wurden ihre Untersuchungsmethoden erwähnt – sie handelte wie ein Arzt -, ihre Behandlungsmethoden und dass sie erst Geld von den Patienten verlangte, wenn die Behandlung anschlug. Das war in einer Zeit, in der Gelehrte wie Petrarca sich darüber beschwerten, dass es den Ärzten nur ums Geldverdienen ging, eine absolute Ausnahme.

Es war ein Vergnügen, auf der Basis dieses Prozessprotokolls Jakobas Lebensgeschichte zu recherchieren und auszufantasieren. Als ich für meinen Roman die antiken und mittelalterlichen Schriften las, war ich erstaunt, den ganzheitlichen Ansatz und viele Rezepte der heutigen (Alternativ-)Medizin wiederzuerkennen. Auch die Sehnsucht nach einem Allheilmittel – den legendären Heiltrank Theriak gab es immerhin von der Antike bis ins neunzehnte Jahrhundert, in Teilen bis heute – hat etwas sehr Zeitgemäßes. Nicht nur in dieser Hinsicht ist Jakobas Geschichte auch nach beinahe siebenhundert Jahren brandaktuell. 

„Die Arznei der Könige“ erzählt auf Basis eingehender Recherchen meine Version von Jakobas Geschichte. Natürlich könnte die Wahrheit ganz anders ausgesehen haben. Vielleicht wird man eines Tages in einem Stadtarchiv mehr über diese geheimnisvolle Heilerin herausfinden – ich würde mich am meisten über diesen Fund freuen.

Wer sich einen Überblick über die Fakten machen möchte, dem rate ich zu Chartularium Universitatis Parisiensis, wo die Prozessprotokolle abgedruckt sind, sowie The Faculty of Medicine at Paris, Charlatanism, and unlicensed medical practices in the later middle ages von Pearl Kibre, Dame Trot and her Progeny von C. H. Talbot und Women’s medical practice and health care in medieval europe von Monica H. Green.

Samstag, 2. Februar 2019

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