„Unterirdische Recherchen“

Hier nochmal ein Fundstück zu „Die Feinde der Hansetochter“: Nur wenige Recherchen für einen meiner historischen Romane waren so beklemmend, wie der Besuch im Bergwerk Falun im schwedischen Dalarna. Endlose unterirdische Gänge, tiefe Gruben, tropfendes Wasser an den Wänden und nur vereinzelte Kerzen, die anzeigen, ob genügend Luft zum Atmen bleibt. Beklemmend. Und zugleich unglaublich, sich vorzustellen, dass hier schon vor Jahrhunderten Männer unter gefährlichsten Bedingungen Edelmetalle förderten! Ich kam mir vor wie nach Mittelerde versetzt, als ob ich mit den Gefährten auf dem Weg durch die Minen von Moria wäre. Am Aufregendsten war der Abstieg in die bis zu 67 Meter tiefen Stollen und unterirdischen Kammern, die schwedische Bergleute in Jahrhunderten aus dem Fels gebrochen haben.

Bereits seit 1288 ist der Bergbau in Falun belegt, vermutlich wurde aber hier schon früher gegraben. Sehr viele Hanse-Kaufleute hatten Verbindungen nach Falun und kauften dort Kupfer, um es bis nach Venedig zu verschiffen; manche wurden allein mit dem Kupferhandel reich. Der „Stora Kopparberget“ („der große Kupferberg“) war im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert die größte Kupfergrube der Welt. 1200 Bergleute arbeitete hier – das Bergwerk war einer der größten Arbeitsplätze Schwedens und Falun war nach Stockholm die größte Stadt des Landes. Wegen der großen Bedeutung besuchten etliche Könige das Bergwerk und hinterließen ihre Namen auf den Mauern der Schächte – ihre Autogramme sind heute noch sichtbar.

„Schwedens Reichtum, aber grausam wie die Hölle“ notierte der Botaniker und Arzt Carl von Linné nach seinem Aufenthalt im Bergwerk von Falun. Die Arbeitsbedingungen unter Tage entsetzten ihn: „Die Angst vor einer so großen Tiefe, vor der Finsternis und der Gefahr ließen mir die Haare zu Berge stehen“. Gerade deshalb war die Faszination wohl so groß: viele Sagen sind damit verbunden und Künstler wie E.T.A. Hoffmann, Georg Trakl oder Richard Wagner verewigten das Bergwerk von Falun in ihren Werken.

Aus verschiedensten Gründen hat der Kupferhandel nur am Rande Eingang in „Die Feinde der Hansetochter“ gefunden. Dennoch war der Besuch in der „Falun Gruva“ ein unvergessliches Erlebnis. Die Grubenfahrt ist unbedingt empfehlenswert, aber auch für das Museum und den Rundweg sollte man sich Zeit nehmen. Seit 2001 zählt die Kupfergrube mit Teilen der Stadt Falun übrigens zum UNESCO-Weltkulturerbe – eine weitere Gemeinsamkeit mit der Stadt Lübeck.

Samstag, 2. Februar 2019

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