Rügen im Dreißigjährigen Krieg

„Das Geheimnis von Stralsund“ beginnt mit der Besetzung Rügens durch Söldner im Dienst des Kaisers. Heute kaum noch vorstellbar. Was war geschehen?

Rügen galt den kaiserlichen Feldherren als „der beste Ort in ganz Pommern“. Das war nicht nur auf die Lage zurückzuführen, von wo aus man die „Ostsee beherrschten“ konnte, sondern auch auf den Reichtum der Insel an Nahrungsmitteln; Pommern war die Kornkammer des Reiches. Im November 1627 musste Pommerns Herzog Bogislaw einer Stationierung kaiserlicher Truppen zustimmen. Acht Regimenter – etwa 20.000 Mann – zu Fuß und zu Ross sollten in Pommern einquartiert werden. Diese Einquartierung bedeutete eine kostenlose Verpflegung und die Aufnahme der Söldner in die Häuser. Rügen wurde, wie viele andere Orte, sofort überrannt. Während der Belagerung Stralsunds kam der Insel zudem eine wichtige strategische Rolle zu: Am Strelasund wurden Schanzen errichtet, damit Stralsunder Schiffe beschossen und Truppen übergesetzt werden konnten. Auf Rügen lagen mindestens 6800 Mann und ebensoviel Tross. Die Heerführer ließen es sich gut gehen. So wohnte beispielsweise der Herzog von Holstein in Bergen auf Rügen. Für seine Tafeln forderte er täglich (!) einen halben Ochsen, ein halbes Schwein, zwei Schafe, ein Kalb, sechs Hühner, zwei Gänse, zehn Pfund Butter, vier Pfund Speck, zehn Pfund gedörrtes Fleisch, zwanzig Eier, eine gedörrte Gans usw. Auch die einfachen Soldaten mussten versorgt werden, quartierten sich in den Häusern der Bauern und Fischer ein, raubten und plünderten. Ganze Dörfer wurden verwüstet. Die Überlebenden litten auf Rügen so große Not, dass die Knospen von den Bäumen zusammen mit Kleie und Heusamen zu Brot verbacken und Gras gegessen wurde, wie ein zeitgenössischer Bericht beschreibt. Der kaiserliche Oberst Götz soll über die ausgeraubte Insel gespottet haben, er würde die Hörner jeder Kuh, die man noch auf Rügen finde, mit Gold überziehen. Nach dem Abzug der Kaiserlichen hörte das Leiden der Bevölkerung jedoch nicht auf, denn auch die neuen schwedischen Bündnispartner quartierten ihre Soldaten auf Rügen ein.

Rügens berühmte Kreidefelsen ziehen jedes Jahr tausende Urlauber an. Aber die Insel hat in ihrer Geschichte auch dunkle Zeiten erlebt, wie die Einquartierung von Söldnern im Dreißigjährigen Krieg. Foto. André Poling

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