Joachim Meyer – Ein deutschsprachiger Fechtmeister von Weltrang

Ob die Sacramento Freifechter oder die Meyer Freifechter Guild – nicht nur in Deutschland, auch in anderen Ländern wird nach dem Fechtbuch des in Straßburg geborenen und in Schwerin gestorbenen Fechtmeisters Joachim Meyer gefochten. „Joachim Meyers Buch ist wahrscheinlich das wichtigste Werk, welches zur deutschen Kampfkunst-Tradition jemals geschrieben wurde“, urteilt Matt Galas, ein Pionier des historischen Fechtens im Vorwort für Alexander Kiermayers Buch über den Renaissance-Fechtmeister. „Das Fechtsystem von Joachim Meyer stellt eine einzigartige Synthese zeitgenössischer europäischer Fechtstile dar. Hierbei sind vier wesentliche Elemente feststellbar: Johannes Liechtenauers Kunst des langen Schwerts, Die Fechtlehre von Martin Siber, Johannes Lecküchners Kunst des Messerfechtens und die Bologneser Schule, wie sie unter anderem von Achile Marozzo und Angelo Viggiani unterrichtet wurde“, so Alexander Kiermayer in „Joachim Meyer. Kunst des Fechtens“. Meyer beschreibt in seinem Buch den Umgang mit sieben Waffen, den sieben ritterlichen Wehren Schwert, Dussack, Rapier, Dolch, halbe Stange, Hellebarde und langer Spieß.

Meyers Biografie zeigt auch das Risiko, dass er mit der Verbreitung seiner Fechtkunst einging. Vermutlich 1537 in Basel geboren, siedelte sich der Messerschmied 1560 in Straßburg an. Verschiedene Einträge in den Ratsbüchern beweisen, dass Meyer Fechtschulen in seiner Wahlheimat abhielt. Sein Fechtbuch „Gruendtliche Beschreibung der freyen Ritterlichen und Adelichen Kunst des Fechtens“ veröffentlichte er 1570, für die Illustrationen sorgte der bekannte Künstler Tobias Stimmer. Für sein Fechtbuch stürzte Meyer sich in Schulden, schließlich kostete ein Exemplar dreißig Gulden, dafür musste, so Kiermayer, ein Zimmerergeselle 43 Tage arbeiten. Um die Schulden zu begleichen, war Joachim Meyer gezwungen, Straßburg zu verlassen und sich als Fechtmeister in Schwerin am Hof des Herzogs Johann Albrecht I. von Mecklenburg zu verdingen. Kurz nach seiner Ankunft am 10. Februar 1571 starb er jedoch am 24. Februar, vermutlich an einer Krankheit. Meyers Fechtbuch wurde 1600 noch einmal aufgelegt. Teile seines Fechtbuchs wurden von Jakob Sutor 1612 und Theodor Verolinus kopiert. An der Universität Rostock und der Universität Lund/Schweden sind z.T. handkolorierte Exemplare des Werks erhalten – wahre Kostbarkeiten.

Samstag, 2. Februar 2019

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