Es war einmal … die deutsche Flussperle?

Die Perlenfischerin 1 – zur Flussperlmuschel in deutschen Flüssen

Kennt ihr deutsche Flüsse, in denen früher Perlmuscheln gefunden wurden, vielleicht sogar in eurem Bundesland? Diese Frage hatte ich mit einer Bewerbung für die Leserunde zu meinem neuen historischen Roman „Die Perlenfischerin“ bei Lovelybooks verknüpft. Die Reaktionen haben mich sehr gefreut, denn viele Teilnehmer*innen wussten, gar nicht, dass es in Deutschland Flussperlen gab und beschäftigten sich erstmals damit. Die Flussperlmuschel – das unbekannte Wesen also? Tatsächlich ist die Flussperlmuschel leider heute in vielen Ländern ausgestorben, oder sie ist so selten geworden, dass sie auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten steht. Wenn auch bei Perlwilderei nicht mehr der Perlgalgen oder der Verlust der Hand droht, so wird diese doch auch heute wieder streng (mit Strafgeldern bis zu 50.000 Euro oder Freiheitsentzug) bestraft.

Die Flussperlmuschel (lateinisch Margaritifera margaritifera) gehört zur Familie der Margaritiferidae, die grundsätzlich überall zwischen dem vierzigsten und siebzigsten nördlichen Breitengrad lebte. Das Vorkommen der europäischen Flussperlmuschel konzentriert sich auf Bäche, Flüsse, Ströme und Seen in gemäßigt kühlen bis kalten Gebieten. „Die Flussperlmuscheln, die noch bis vor hundert Jahren reichlich vorhanden war, ist heute fast verschwunden. Die Restbestände sind überaltert und das Fehlen von Jungmuscheln verringert ihre Überlebenschancen“, konstatiert die Hamburger Perlenexpertin Elisabeth Strack in ihrem Buch „Perlen“. „In Deutschland hat es bis vor wenigen Jahrzehnten Vorkommen von Margaritifera in Rheinland-Pfalz (Eifel, Hunsrück), NRW (Bergisches Land, Westerwald) und Hessen (Odenwald, Spessart, Vogelsberg, Rhön). In den dreißiger Jahren haben Juweliere an der Mosel noch Perlen aus der Ruwer verarbeitet, bis 1970 soll es noch Muscheln gegeben haben. Heute haben nur noch drei Mittelgebirgsvorkommen eine Bedeutung, zwei liegen in Bayern, eines in Sachsen. Das vierte Vorkommen ist das einzig nennenswerte Tieflandvorkommen in Europa, es liegt in der Lüneburger Heide.“

Zu den Perlenflüssen, die bei den Bewerbungen für meine Leserunde genannt wurden, gehören (ungeordnet): Perlenbach/Eifel, Lutter, Donau/Ilz, Regen, Pulsnitz, Weiße Elster, Steinach, Ilmenau, Este, Wupper, Schwalm, Trave und die österreichische Waldaist.

In vielen Bundesländern gibt es Initiativen zum Schutz der Flussperlmuschel, beispielsweise ArKoNaVera (Bayern und Sachsen), NRW Stiftung (Artenschutzprojekt Flussperlmuschel in der Eifel), Biologische Station Aachen e.V., Naturpark Spessart oder auch beispielsweise das Oberösterreichische Flussperlmuschelschutzprojekt. Ich habe mich besonders mit Hilfe des Unterhaltungsverbands Lachte informiert, die sich mit Hilfe des Nabu-Lachendorf für den Schutz der Lutter und anderer Flüsse einsetzt. Auch BUND und weitere Umweltverbände setzen sich sehr zum Schutz der Flussperlmuschel ein.

Für den Rückgang der Flussperlmuschel gibt es viele Gründe, denn sie ist ein anspruchsvolles Lebewesen, das nur in einem intakten Lebensraum gedeiht und sehr empfindlich auf Umwelteinflüsse reagiert. Zum Aussterben der Flussperlmuschel tragen bei: Verschmutzung der Gewässer, Versandung der Bäche, Verdrängung oder Aussterben der Wirtsfische, Vernichtung ganzer Bestände durch Perlräuber, neue Fressfeinde, Klimawandel.

Wie wichtig die Schutzbemühungen sind, zeigt sich am Beispiel der Lutter. Das Naturschutzgroßprojekt Lutter und der Unterhaltungsverband Lachte setzen sich seit Jahrzehnten intensiv für die Flussperlmuschel ein – und wirklich verzeichnet der Bestand als einziger in ganz Europa eine positive Entwicklung! Wichtig dabei ist es, die Flüsse zu renaturieren, von schädlichen Umwelteinflüssen freizuhalten, indem beispielsweise angrenzende Gebiete aufgekauft werden, die richtige Beschaffenheit des Flusses wiederherzustellen (Sandfracht, Kiesel etc.) und für eine Besiedelung mit Bachforellen zu sorgen, die als Wirt wichtig sind. So wurden beispielsweise in der Lutter gefangene Bachforellen mit Flussperlmuschel-Larven infiziert und in den Fluss zurückgesetzt. Wer sich intensiver mit den Naturschutzbemühungen auseinandersetzen will, dem empfehle ich den Radwanderweg Lutter, der auf zwei Touren durch das Naturschutzgebiet der Lutter im Naturpark Südheide führt (auch dazu später mehr an anderer Stelle im Blog)

Nur wenige Flussperlmuschel enthalten übrigens eine Perle (die Schätzungen reichen von eine Perle auf 2000 bzw. 25 Muscheln). Wenn man jedoch die wunderbaren Perlstickereien in den Heideklöstern sieht, die über und über mit Flussperlmuscheln bedeckt sind, oder die herrlichen Perlenketten aus Elsterperlen, die im Grünen Gewölbe in Dresden verwahrt werden, weiß man, wie viele Naturschönheiten wir verloren haben …

Aus diesem Grund habe ich meinen Roman allen gewidmet, die sich zum Schutz der Flussperlmuschel einsetzen, und spende mein Autorenhonorar der Lesung im Kloster Lüne dem Unterhaltungsverband Lachte, der sich zum Schutz der Flussperlmuschel einsetzt.

Montag, 25. März 2019

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