Die Tempelritter in Niedersachsen – ein Sonderfall der Geschichte

Die Geschichte der Templer in Niedersachsen hat mich verblüfft. Um die Besonderheit zu verstehen, muss man tiefer in den Niedergang des Templerordens einsteigen. Der 1188 ins Leben gerufene Tempelritterorden stellte nicht nur eine militärische, sondern auch eine wirtschaftliche Macht dar. Insbesondere durch ihre Geldgeschäfte waren die Templer mit zahlreichen Adeligen, reichen Bürgern und sogar Muslimen verbunden. Schätzungen zufolge hatte der Orden der Templer 15.000 Mitglieder in 9000 Besitzungen. Das Ende der Tempelritter hatte verschiedene Gründe und vollzog sich in mehreren Schritten zwischen 1307 und der Auflösung des Ordens durch den Papst im Jahre 1312; zwei Jahre später wurde der letzte Großmeister des Ordens in Paris auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Nach der Auflösung des Ordens wurden die Templer, die an ihrem Gelübde festhielten, verfolgt und z.T. mit dem Tode bestraft. Die meisten Besitzungen gingen an den Johanniterorden (auch Hospitaliter genannt) über. Noch Jahrelang war die Obrigkeit – insbesondere der unter chronischer Geldnot leidende französische König – auf der Suche nach dem verschwundenen Templerschatz. An einigen Orten sollen Templer im Verborgenen überlebt haben, beispielsweise in Schottland (was u.a. Sir Walter Scott und Dan Brown in ihren Romanen aufgegriffen haben).

Auch in Niedersachsen lassen sich an vielen Orten, z.B. Hameln und Einbeck, Templerbesitzungen nachweisen. Die Präsenz der Templer in Niedersachsen ist eine Folge der Kreuzfahrt Heinrichs des Löwen ins Heilige Land. Was später geschah, fasst Nicolaus Heutger in seinem Sachbuch „Die geistlichen Ritterorden in Niedersachsen“ wie folgt zusammen: „Nach der Aufhebung des Ordens behielt der letzte braunschweigische Templerkomtur Otto, Herzog von Braunschweig, im Einvernehmen mit seinem Bruder, Herzog Magnus dem Älteren, und mit Erlaubnis des Johanniterordens, der eigentlich auch diesen Templerbesitz hätte übernehmen müssen, das Templerhaus Braunschweig für sich. Erst 1357 überwies Herzog Magnus der Ältere, der allgemeinen Regelung entsprechend, auch das Templerhaus Braunschweig den Johannitern (…)“ Auch das in Niedersachsen gelegene Süpplingenburg blieb im Besitz der Templer. „Der letzte Templerkomtur ist noch 1328 in Süpplingenburg urkundlich nachweisbar“, so Heutger. Süpplingenburg ging ebenfalls erst 1357 – 45 Jahre nach der Aufhebung des Ordens! – vollends an die Johanniter über.

Die ehemalige Templerkirche St. Johannis in Süpplingenburg ist noch heute erhalten. Eine Rarität ist das erhaltene Kruken-Kreuz im Gewölbe, ein authentisches Templer-Kreuz. Eine ältere Gang-Krypta ließen die Templer zuschütten – diese dient in meinem Roman „Die Arznei der Könige“ als Versteck für das bedeutende und verschollene Templerarchiv. Mehr Hintergründe gibt es in dem o.g. Sachbuch von Heutger sowie in „Die Tempelherren-Orden in Deutschland“ von Michael Schüpferling. Hilfreich ist auch das Templerlexikon der Universität Hamburg.

Samstag, 2. Februar 2019

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