Der Wikingerschatz von Morsum – eine Inspiration für „Finsteres Kliff“

Sylt – Hintergrundbericht und Reisetipps

Was wäre, wenn … der Lieblingsgedanke vieler Autoren. Als ich 2017 las, dass ein Bauer auf einem Acker in der Nähe von Morsum (Foto oben: Morsum Kliff, die Wikingerhügel befinden sich weiter landeinwärts) André Poling) einen bedeutenden Wikingerschatz entdeckt und ein Schmuckstück jahrzehntelang für sich behalten hat, setzte sich sofort meine Fantasie in Gang. Schließlich faszinieren mich Hügelgräber und archäologische Stätten seit jeher, oft plane ich meine Reiseroute so, dass ich diesen einen Besuch abstatten kann. Auch auf Sylt habe ich die verschiedenen Grabhügel und Hügelgräber oft und gerne besucht. Da ich in meinen Sylt-Krimis auch in die Geschichte und die Besonderheiten der Insel eintauche, passt dieses Thema für mich sehr gut.

Sylter Ur- und Frühgeschichte

Sylts Lage hat die Insel zu einem wichtigen Siedlungsort für Wikinger gemacht: von hier aus konnten sie bequem zu ihren Raubzügen aufbrechen – „auf Viking gehen“, nannte man das – und waren schnell in Haithabu an der Schlei, dem bedeutendsten norddeutschen Handelsort der Wikingerzeit überhaupt. Etliche Hügelgräber auf Sylt stammen aus der Wikingerzeit (Foto oben: die Tinnumburg, Foto unten: Grabhügel in Kampen, Copyright André Poling).

Der Fund

Silber, Gold, Drachenköpfe – die Sylter Rundschau bezeichnete sie als die „vermutlich schönste Ringfibel Deutschlands“: Im Sommer 2017 wurde auf Sylt ein Wikingerschatz aus Silber gefunden. Auf einem Acker der Nösse-Halbinsel in Morsum gruben die Archäologen einhundertachtzig Teile aus, Armringe, Fingerringe, Münzen und sogar Barren. Es war einer der größten Silberschatzfunde aus Schleswig-Holstein überhaupt, urteilte Claus von Carnap-Bornheim, der Leiter des Archäologischen Landesamts.

Die Stücke sind mehr als tausend Jahre alt, aber auch die Geschichte, wie der Fund das Licht der Öffentlichkeit erblickte, ist lang. Vor fast zwei Generationen pflügte ein Morsumer Bauer sein Feld und fand Wikingerschmuck. Der Bauer wandte sich an das Landesmuseum Gottorf, das den Fund ankaufte. Allerdings hat der Bauer auch einen Ring aus Metall gefunden, silbern und golden, mit der Verzierung von drei Drachen, den er verschwieg. Er packt den Fund in eine Zigarettenkiste und vergaß ihn über die Jahre. Als er mit seinem Hausarzt, der sich für Frühgeschichte begeisterte, über Archäologie sprach, fiel ihm der Fund wieder ein und er vermachte ich diesem Arzt. Dieser Arzt zeigt den Fund einem Freund, der diplomierter Prähistoriker und Leiter des Referats für Küsten- und Meeresarchäologie am Niedersächsischen Institut für Küstenforschung ist. Martin Segschneider erkennt sofort den historischen Wert des Metallrings, berichtet die Sylter Rundschau, und ordnet ihn als sogenannte ‚Ringfibel‘ ein. Mit einer derartigen Fibula wurden damals Gewänder verschlossen. Eine derart kostbare Ringfibel konnte sich allerdings nur eine reiche oder bedeutende Persönlichkeit leisten. Die Familie des Arztes wandte sich an das Archäologische Landesamt Schleswig Holstein, das den Fund und die Fundstellte untersuchte.

Im Sommer 2017 wurde das Feld, auf dem die Ringfibel gefunden worden war, unter Leitung des Landesamts von ehrenamtliche Sondengängern mit Metalldetektoren überprüft. Auf dem Areal soll es bis zu einhundert Grabgruben geben, die vermutlich rituellen Zwecken dienten. Bei den Wikinger waren Begräbnisplätze in Meernähe und auf Klippen beliebt, weil sie sich dort mit ihren Göttern besonders verbunden fühlten. Insgesamt konnten bei diesen Untersuchungen auf der Nösse-Halbinsel und einer Ausgrabung weitere 77 Fundstücke geborgen werden, darunter Arm- und Fingerringe, aber auch Münzen. Auch die zur Ringfibel gehörende Verschlussnadel wurde entdeckt.

Der Siberschatz wird auf die Mitte des zehnten Jahrhunderts datiert. Wichtigster Anhaltspunkt für diese Datierung sind angelsächsische und islamische Münzen, u.a. von König Aethelstan (894 – 939) – ein Zeichen für die weitreichenden Handelsbeziehungen der Wikinger.

Der Silberschatz von Morsum soll in einer Dauerausstellung des Archäologischen Landesmuseums auf Schloss Gottorf sowie im Heimatmuseum in Keitum ausgestellt werden.

Der Reichtum der Wikinger lässt sich auch an einem neuen Fund von Gold- und Silberschmuck aus der Zeit um die Jahrtausendwende schließen, der vor Kurzem aus einem Gräberfeld in Haithabu bei Schleswig geborgen worden war. Wegen ihrer außerordentlichen Bedeutung wurden 2018 der wikingerzeitliche Handelsplatz Haithabu und der Grenzwall Danewerk von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt; das Morsum Kliff ist als Nationales Geotop geschützt.

Sylts Hügelgräber und sonstige archäologische Sehenswürdigkeiten aktiv erkunden:

Eine besonders angenehme Möglichkeit, die Vor- und Frühgeschichte Sylts zu entdecken, ist der archäologischer Lehrpfad Hünen.KulTour der Söl’ring Foriining, der von den Sylter Rotariern unterstützt wurde. In drei Etappen führt der Lehr- und Wanderpfad über das Inselzentrum. 38 Hinweistafeln informieren über die archäologischen Zeitzeugnisse. Da sich die Infotafeln an Rad- und Fußwegen befinden, lasst sich der Lehrpfad sehr gut auf dem Fahrrad oder bei einem Spaziergang erkunden. Den kostenlosen Flyer zur Hünen.KulTour gibt es bei Söl’ring Foriining und den Tourismus-Büros auf der Insel.

Zudem laden die Naturschutzgemeinschaft Sylt e.V. und die Söl’ring Foriining regelmäßig zu archäologischen Wanderungen am Morsum Kliff ein.

Wer sich grundsätzlich mit den Wikingern in Schleswig-Holstein beschäftigen möchte, der plant einen Ausflug zum Wikingermuseum Haithabu, das eines der bedeutendsten archäologischen Museen Deutschlands ist.

Freitag, 29. März 2019

Und noch ein Steingrab in Kampen, eines, das auch in „Finsteres Kliff“ vorkommt …

Das Denghoog stammt zwar nicht aus der Wikingerzeit, ist aber immer einen Besuch wert.

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