Auf den Spuren der Hansetochter durch Lübeck – 3

Vom Hansemuseum aus passieren wir erneut das Heiligen-Geist-Hospital. Auf der gleichen Straßenseite kommen wir am Behnhaus vorbei, das zwar erst ab 1779 errichtet wurde, dessen Eingangsbereich aber den Höhepunkt der Entwicklung der Lübecker Kaufmannsdiele darstellt. Wenig später folgt das Willy-Brandt-Haus. In der Königsstraße / Ecke Glockengießerstraße machen wir nun an der Museumskirche St. Katharinen Station. Hier fanden die Verhandlungen mit den Aufständischen beim Knochenhaueraufstand statt, den ich in DIE FEINDE DER HANSETOCHTER schildere. Leider ist die einzige erhaltene Klosterkirche Lübecks wegen umgangreicher Restaurierungsarbeiten derzeit geschlossen. Mehrere Ausstattungsstücke sind heute im St. Annen-Museum zu sehen. Doch schon die gotische Westfassade mit den Wechselschichten glasierter und unglasierter Ziegel ist die genauere Betrachtung wert. Die Nischen sind heute mit Figuren von Ernst Barlach und Gerhard Marcks bestückt.

Wir folgen der Königstraße bis zur Dr. Julius-Leber-Straße, wo sich mit der Nummer 13 der älteste Profanbau Lübecks befindet. In der heutigen Löwenapotheke übernachtete beim Besuch Kaiser Karls IV. 1375 seine Gemahlin.

Als nächstes wenden wir uns der Fleischhauerstraße zu, in der in HANSETOCHTER ein Teil von Henrikes Familie lebt. Durch diese Straße wurde im Mittelalter das Vieh zu den Schlachtplätzen getrieben. Am unteren Ende der Straße, an der Stadtmauer, befanden sich die Pfahlbauten der Küter (Schlachter). Auf einem Steg über der Wakenitz wurde geschlachtet. Das nicht aufgefangene Blut tropfte in den Fluss und ließ die dort lebenden Aale feet werden (tatsächlich zeugt der „Aalhof“ in der Nähe noch davon). In der Fleischhauerstraße kamen auch viele Brauer ihrem Handwerk nach. An der unteren Ecke der Königstraße war seit 1367 die Münze. Es gab jedoch auch Buchdrucker in der Fleischhauerstraße, so druckte hier Steffen Arndes 1494 seine berühmte Lübecker Bibel.

Am unteren Ende der Fleischhauerstraße wenden wir uns nach rechts Richtung Hüxstraße/Wahmstraße. Wir folgen der Straße Balauerfohr, bis wir schließlich das Museumsquartier St. Annen erreichen. Katrine zieht in DIE FEINDE DER HANSETOCHTER in das dortige Beginenhaus ein. Das St. Annen-Museum mit vielen Schätzen der sakralen Kunst und der Stadtgeschichte ist im ehemaligen St. Annen-Kloster untergebracht und durch Räumlichkeiten und Sammlung sehenswert. Zahlreiche eindrucksvolle Kaufmannsporträts zeugen von dem Selbstverständnis und der gesellschaftlichen Bedeutung der Kaufleute. In der Aegidienkirche ist u.a. die Darsow-Kapelle sehenswert, die 1479 gestiftet wurde.

Wir queren die Mühlestraße und gehen das Fegefeuer entlang zum Dom, der sowohl beim Kaiserbesuch als auch beim Knochenhaueraufstand (und damit auch in meinen Romanen) eine Rolle spielte. Der größte Backsteinbau an der Ostsee besticht jedoch nicht nur durch die Ausmaße, sondern auch u.a. durch seine Kapellen (wie die Warendorp-Kapelle für den 1341 verstorbenen Lübecker Bürgermeister).

In der Hartengrube wenden wir uns gen Obertrave. Im Mittelalter war dies ein etwas zwielichtiges Viertel mit zahlreichen Gasthöfen, Badestuben und Huren, die hier ihrem Gewerbe nachgingen. Die Hansetochter Henrike trifft in der Hartengrube Mette, um die Dirne zum Tode ihres Vaters zu befragen.

Nun geht es wieder Richtung Holstentor, wo wir unseren Spaziergang begonnen haben. Doch wir biegen vorher noch in die Petersgrube ab, in der Bürgerhäuser aus verschiedenen Jahrhunderten zu sehen sind. Zu den gotischen gehören die Nummern 11, 15 und 25.

Ich hoffe, dieser kleine Spaziergang auf den Spuren der HANSETOCHTER hat Ihnen Freude gemacht. Giebelhäuser und andere Bauwerke aus Henrikes Zeit finden sich übrigens auch noch in vielen anderen Straßen Lübecks wie Depenau (Nr. 33), Dankwartsgrube (Nr. 30) oder Hundestraße (Nr. 94). Wenn Sie also noch Lust auf eine weitere Runde durch Lübecks Altstadt haben, gibt es noch genug zu sehen. Viel Spaß dabei wünscht, Sabine Weiß

Samstag, 2. Februar 2019

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